Mäusebussard – Geopfert auf dem Altar des Windenergiewahnsinns

Insider-Einblicke in die Hintergründe der Progresstudie, ihrer Verfasser und Finanzierer

Schlechte Aussichten für Mäusebussard, Kiebitz, Rotmilan, Feldlerche & Co

Der Preis des Fortschritts – Der Mäusebussard und das überraschende Fazit einer Studie

Vier Jahre haben die Autoren über die Kollisionsrisiken von Vögeln an Windenergieanlagen geforscht und auf 338 Seiten die Ergebnisse vorgelegt: Dramatische Fakten und verstörende Schlussfolgerungen – beispielsweise für den Mäusebussard in Deutschland.

(c) www.windwahn.com

“Der Mäusebussard: hohe Verluste für eine vorgeblich naturverträgliche Stromproduktion. Dabei ist der Beitrag der Windenergie zur Stromproduktion gering und der geplante Ausbaugrad längst nicht erreicht.“

Das schreibt WILHELM BREUER, er ist Dipl.-Ing. der Landschaftspflege und Geschäftsführer der Gesellschaft zur Erhaltung der Eulen e. V.
Außerdem gehört zu den ständigen Mitarbeitern der Zeitschrift Nationalpark, in der sein Artikel erschienen ist.

Auszug
” Der Studie liegt eine systematische Schlagopfersuche an 46 Windparks in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg zugrunde.
Zu den zutiefst beunruhigenden Erkenntnissen gehören die festgestellten Kollisionszahlen des Mäusebussards. Erneut bestätigte sich, dass in Relation zur Bestandsgröße überproportional häufig Greifvögel an den Anlagen kollidieren – allein in den vier Bundesländern jährlich 7.800 Mäusebussarde. Das sind sieben Prozent des dortigen Brutbestandes der Art. Kritiker haben auf Fehler in den Hochrechnungen hingewiesen und angemerkt, die tatsächlichen Todeszahlen könnten eher noch höher sein.
Etwa, weil die Betreiber über die Suchaktionen informiert waren, und vielleicht deshalb – jedenfalls von den Forschern – nicht alle Kollisionsopfer gefunden wurden.
Der Studie zufolge kollidieren an den Anlagen so viele Mäusebussarde, aber auch Rotmilane und Kiebitze, dass es nicht mehr nur um die Frage eines signifikant erhöhten Tötungsrisikos für einzelne Individuen geht, sondern die Verluste nunmehr ein populationsgefährdendes Maß erreichen.
Einen solchen folgenschweren Einfluss schließt die Studie für den bereits zurückliegenden Ausbaustand der Windenergiewirtschaft auch für weitere Greifvogelarten nicht aus.
Populationsrelevante Verluste könnten bei fortgesetztem Ausbau aufgrund schwer einzuschätzender kumulativer Wirkungen auch bei weiteren Arten (beispielsweise der Feldlerche) eintreten. Dabei beziehen sich die Prognosen auf das Jahr 2014. Seitdem hat sich die Zahl der Windenergieanlagen um 3.000 auf fast 28.000 Anlagen erhöht.

Business as Usual

Angesichts dieser besorgniserregenden Ergebnisse überrascht es, dass die Verfasser der Studie zu dem Ergebnis gelangen, aus den gewonnenen Erkenntnissen ergäben sich „keine direkten Auswirkungen“ weder für laufende noch künftige Planungs- und Zulassungsverfahren. Überhaupt kann man den Eindruck gewinnen, dass die Verfasser – fast alle sind als Gutachter der Windenergiewirtschaft tätig – um eine branchenfreundliche Bewertung der Befunde bemüht sind. So mochten die Autoren der erst vom Bundesumwelt-, später vom Bundeswirtschaftsministerium finanzierten Studie die hohen Verluste von Mäusebussarden an Windenergieanlagen „für sich“ oder „so“ offensichtlich nicht stehen lassen. Jedenfalls beeilten sie sich, die Verluste in Relation zu stellen zu den 18 Prozent des Bestandes der Art, die bis 1970 jährlich in Schleswig-Holstein geschossen wurden. Bis dahin wurden Mäusebussarde nämlich bejagt. Was soll mit dem Vergleich bezweckt werden, falls nicht eine Relativierung der Kollisionsgefahr.
Dass Greifvögel in hoher Zahl an Windenergieanlagen verunglücken, ist längst bekannt. Greifvögel meiden die Nähe der Anlagen nicht und verbringen bei der Nahrungssuche viel Zeit in der Luft – gerade auch in Rotorreichweite. Die rasch drehenden Rotoren nehmen sie als Gefahr nicht wahr. Mäusebussarde sind oft kreisend in der Luft; sie unternehmen ausgedehnte Suchflüge und sind wenig wendig. Eigenschaften, die Mäusebussarde als Kollisionsopfer prädestinieren.
Die Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten in Deutschland hatte deswegen schon vor Veröffentlichung der Progress-Studie den Mäusebussard auf die Liste der bei Planungs- und Zulassungsverfahren zu beachtenden Arten setzen wollen, hatte diesen Schritt aber auf Druck der Windenergiewirtschaft schließlich aufgeben müssen. Übrig blieb in den aktuellen Empfehlungen ein verschämter Hinweis, dass es unter Umständen weitere Arten geben könne, die an den Anlagen einem erhöhten Kollisionsrisiko ausgesetzt sein könnten. Explizit erwähnt werden durfte der Mäusebussard nicht.
Die Vogelschutzwarten fanden sich damit ab, um wenigstens für eine andere, deutlich seltenere Greifvogelart – den Rotmilan – erhöhte Mindestabstände veröffentlichen zu dürfen.

Alternative Fakten

Dass die Länder-Arbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten nach der Progress-Studie ihre Empfehlungen zugunsten des Mäusebussards nachjustieren könnte, ist eher nicht zu erwarten. Nach den Auseinandersetzungen zwischen Vogelschutzwarten und Windenergiewirtschaft im Vorfeld der erst kürzlich aktualisierten Abstandsempfehlungen werden die Umweltministerien dieser Arbeitsgemeinschaft – so mutmaßen Insider – die fachwissenschaftliche Freiheit dazu kaum zubilligen.
Mit der Windenergiewirtschaft verbundenen Umweltministerien fällt es schwer, Vogelarten, die wie der Mäusebussard noch einigermaßen häufig sind, überhaupt den an Windenergieanlagen kollisionsgefährdeten Arten zuzurechnen. Einem solchen Risiko könnten nur solche Arten erliegen, die selten sind und auf der Roten Liste stehen.
Eine Ansicht, die zwar ebenso falsch wie rechtswidrig ist, sich aber in manchen Umweltministerien hartnäckig hält.
[…]
Mindestabstände für Windenergieanlagen oder andere Beschränkungen? Fehlanzeige.
Stattdessen setzen die Autoren zum Schutz des Mäusebussards auf die Kompensationsmaßnahmen für mit Fundamenten und Baustraßen für Windparks verbundene Bodeneingriffe, was geradezu hilf- und substanzlos ist, fallen diese Maßnahmen doch schon flächenmäßig nicht ins Gewicht.
Das Fazit der Progress-Studie ist insofern ein „Weiter-so“ – zur Genugtuung der Branche und der ihr dienenden Politik und Verwaltung. Fortschritt sieht anders aus.

Alles lesen:
http://www.egeeulen.de/inhalt/nachrichten.php

Das überraschende Ergebnis einer Studie – Juni 2017

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