Schallerkrankungen im Kompendium der Flugmedizin von 2002

Auswirkungen von technischem Schall auf den menschlichen Körper

(c) www.windwahn.com
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Nicht nur von der NASA in USA oder von Castelo Branco und Alves Pereira  für die Airbase in Portugal, auch in Deutschland wird seit Jahrzehnten in der Flugmedizin zu den Auswirkungen von Schall auf den menschlichen Körper in der Luftfahrt  geforscht.
Bereits 2002 erschien eine überarbeitete Ausgabe des Kompendiums der Flugmedizin, auf das wir von einem Mitbetroffenen aufmerksam gemacht wurden.
Mit besonderem Dank an K.M.!

Inzwischen gibt es die nächste Überarbeitung, Stand Februar 2017, die ausführlicher die flugmedizinischen Belange bearbeitet und insbesondere neue technische Erkenntnisse ergänzt.
Zum Abgleich finden Sie am Ende dieses Artikels eine Verlinkung dorthin.
Auch wenn die Ideologen in der deutschen Politik, ebenso wie die Vertreter wirtschaftlicher Interessen ständig bemüht sind, physikalische Gegebenheiten zu leugnen und die Physik ihrer Ideologie bzw. ihren Profitinteressen unterzuordnen sowie die Zusammenhänge von Infraschall, Vibrationen und Schwingungen (Körperschall) auf den menschlichen Körper abzustreiten, behandelt die Luft- und Raumfahrtwissenschaft diese Thematik, wie auch die medizinischen Themen unbeeinflusst sachgerecht auf höchstem wissenschaftlichen Niveau.
Das gilt für die hier vorgestellte Ausgabe von 2002, wie für die aktualisierte von 2017.

Da der Umgang mit oben genannten Themen von gänzlich anderen Interessen gelenkt wird und der Mensch in der Flugmedizin 2002 wie 2017 im Mittelpunkt steht, gleichzeitig der Stand der Technik von Politik, Behörden und Lobbyisten zwar stets als Maß der Dinge dargestellt, aber offenkundig und bewußt nicht berücksichtigt wird, haben wir uns entschieden, die vorletzte Ausgabe des Kompendiums heranzuziehen und zu bearbeiten.
Wir möchten deutlich machen, dass der genannte Personenkreis, der sich stets ein Expertentum für Schall und Medizin zuschreibt, seit mindestens 16 Jahren weiß, dass er entgegen dem Stand der Wissenschaft zulasten der Bevölkerung handelt und dabei die Öffentlichkeit wissentlich täuscht.

Die Informationen zu den Forschungen aus der Luftfahrt im Kompendium deckt sich mit denen der NASA und den VAD-Studien.
Mit anderen Worten, jeder seriöse Politiker, Vertreter von Genehmigungsbehörden und Landesämtern und alle Entwickler schallemittierender technischer Anlagen wie z.B. WEA  in Deutschland hätten sich informieren können, wenn sie es gewollt hätten…
Ebenfalls bemerkenswert: Seit der Veröffentlichung der Untersuchungen von Erik Sloth im Auftrag von VESTAS zum gleichen Thema, bereits in 2004 auf der internationalen (öffentlichen!) Windkraft-Konferenz AUSWEA in Australien hätte die Branche nebst ihrer Lobbyvertreter in Politik und Ämtern wissen müssen, dass WEA-Schall mit Gefahren für die Gesundheit verbunden ist.
Auch die Tatsache, dass Windkraftindustrie und Betreiber, bevor sie zunehmend Urteile in Bezug auf ihre Verletzungen des Immissionsschutzes kassieren, es vorziehen, hohe Entschädigungen in Form von Vergleichen zu zahlen, ist entlarvend für die Branche, der es offenkundig ausschließlich um ‘Vermögensbildung’ um jeden Preis geht.
z. B. hier, hier oder hier

Die Durchsicht des Kompendiums empfiehlt sich allen von Windkraft Betroffenen und Bedrohten, Ärzten, Anwälten, die im Interesse Betroffener vor Ort oder  zur Klage vorm Bundesverfassungsgericht tätig sind, unabhängigen, kritischen Politikern und allen ‘Selberdenkern’, die Ideologen nicht auf den Leim gehen und sich von Lobbyisten nicht einfangen lassen.Nutzen Sie die Inhalte und ihre Übereinstimmungen mit den vielen unabhängigen Studien und Nachweisen aufgrund von akustischen Messungen für Ihre Beschwerden zur Schallbelastung bei den zuständigen Behörden, für Ihre Klagen vor Gericht und zur Aufklärung der Medien und Ihrer Mitbürger z.B. auf Ihren Websites!

Weisen Sie die Ansprechpartner zu Beschwerdemessungen nach den LAI-Empfehlungen der verschiedenen, für die Genehmigungen von WEA nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz zuständigen Landesbehörden auf den Stand der Wissenschaft in der Flugmedizin von 2002 hin!
Zusätzliche Verweise zu entsprechenden NASA- und VAD-Untersuchungen etc. s.o. empfehlen sich.

Seit Jahren hören wir als Antwort auf unsere Stellungnahmen zu den Themen “Schallimmissionsprognosen”, “Überalterte Schutznormen und TA Lärm”, “Ungeeignete Meß-Methoden und Meß-Equipments”, “Gesundheitsschäden als Auswirkungen von WEA-Schallemissionen” von Vertretern zuständiger Ministerien, Ämter und Behörden, wie z.B. von Frau Dr. Herr vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Umwelt, man richte sich bei seinen Entscheidungen nach dem Stand der Wissenschaft.
Gibt es in unserem Land zwei Wissenschaften? Eine Überalterte, wirtschaftlich orientierte für Behörden und Lobbyisten und eine Moderne, an Tatsachen orientierte für die Flug- und Tauchmedizin?

Ein Wissens- und Erfahrungsaustausch von Ärzten, Physikern und Akustikern aus unserem Kreis mit Flug- und Tauchmedizinern (die hoffentlich noch keinen staatlichen Maulkorb verpasst bekommen haben) wäre hilfreich!

International: Abgleich ähnlicher Untersuchungen und Arbeiten zum Thema Flugmedizin und weltweiter Austausch unter den Medizinern, Physikern, Akustikern!

 

Dazu Beispiele aus dem Kompendium, die sich auf die physikalischen Auswirkungen von Luftdruckänderungen beziehen, die wir als Anwohner von WEA zwar anders erleben, weil die Druckwellen des periodischen Schalls wesentlich schneller getaktet auf unseren Organismus treffen und diesen Impulsen in der üblichen Langzeitexposition als Anwohner wesentlich länger ausgesetzt sind, als die Besatzung von Flugzeugen, die in kürzerer Expositionzeit höhere Luftdruckschwankungen erleben. In ihrer Wirkung jedoch betreffen sie die gleichen Organe und in ihrer Wirkweise verursachen sie ähnliche Gesundheitsschäden, was im Kompendium sehr anschaulich beschrieben wird.

Es folgen einige Auszüge aus verschiedenen Kapiteln in Anlehnung an häufig genannte Problemfelder und Krankheitssymptome im Umfeld von WEA-Schall seit Inbetriebnahme der Anlagen.
Aus den folgenden Kapiteln ergeben sich für Schallopfer beispielhafte Hinweise im Zusammenhang mit erlebten Symptomen während des Betriebs benachbarter WEA, die für Nachfragen und Anmerkungen bei behandelnden Ärzten und auch bei den zuständigen Gesundheitsämtern geeignet sind, die wir farblich abgesetzt haben.
JR

2  ATMUNG UND BLUTKREISLAUF

Anm. der Red.:

Sehr häufig betroffen auch bei Anwohnern von Windkraft-Industriezonen.
Siehe Nennungen, dargestellt  in unserer  Symptomgrafik zu Herz-Kreislaufproblemen, Blutdruckschwankungen, plötzlicher extremer Blutdruckabfall, Mangeldurchblutung der Haut, Frieren durch Unterkühlung des Körpers, trockener Reizhusten, Erhöhung der alkalischen Phosphatase, Thromboseneigung, Embolien, Nasenbluten, Aneurysmen, Brustdruck, Atemnot, Schwindel, Krämpfe, Hautkribbeln, Übelkeit u.v.m. –
Auch Tiere sind betroffen, siehe z.B. Barotrauma bei Fledermäusen.

2.1  Einführung

Die  Lungenatmung  dient  dem  Gasaustausch  zwischen  der  Umgebungsluft  und  den Zellen des Körpers. Blut und Blutkreislaufsystem erfüllen dabei unter anderem die Aufgaben eines Transportsystems. Sauerstoff (O2) wird in der Lunge der Luft entnommen und via Kreislauf zu  den  Geweben  transportiert.  Nährstoffe  werden  in  der  Zelle  durch  Zugabe  von  O2  „verbrannt” (oxidativ abgebaut). Dadurch gewinnt der Körper die Energie zur Aufrechterhaltung seiner Lebensfunktion. Das dabei freiwerdende Kohlendioxid (CO2) wird an das Blut abgegeben, zur Lunge transportiert und dort an die Umgebungsluft überführt. Für die Flugphysiologie und -medizin ist die Atmung von besonderer Bedeutung, da der für die Erhaltung des Lebens  notwendige  Gastransport  wesentlich  von  den  Gas(teil-)drücken  abhängt,  die  sich z.B. mit abnehmendem Luftdruck (in zunehmender Höhe) ändern. […]

2.2  Atmungsorgane und Atemwege

Abb. 2.1: Atmungssystem mit Gasaustausch
Abb. 2.1: Atmungssystem mit Gasaustausch

Die äußere Atmung geschieht über das paarig angelegte Organ Lunge und über die zuführenden  Luftwege,  den  Respirationstrakt.  Von  außen  nach  innen  besteht  dieser  aus  der Mund-  und  Nasenhöhle  (mit  den  Nasennebenhöhlen),  dem  Rachenraum  (Pharynx),  dem Kehlkopf (Larynx), der Luftröhre (Trachea), die sich in beide Lungenflügel verzweigt und verästelt  (Bronchialbaum)  bis  hin  zur  kleinsten  Funktionseinheit,  dem  Lungenbläschen  (Alveole). Vgl. hierzu Abb. 2.1.

Die Atemluft wird auf dem Weg in die Alveolen erwärmt und befeuchtet (mit Wasserdampf bei 37° C) sowie im Nasenbereich als auch im Bronchialbaum von Staub- und Schmutzpartikeln gereinigt. Diese bleiben im Bronchialschleim hängen und werden vom Flimmerepithel in Richtung  Luftröhre zurücktransportiert  und  abgehustet.  Feinste  Partikel  werden  von  der zellulären Immunabwehr (weiße Blutzellen) des Körpers eliminiert. Nach dem Einatmen findet der eigentliche Gasaustausch in den Alveolen nach dem Diffusionsprinzip statt. Die Oberfläche  dieser  Grenzschicht  hat  eine  sehr  große  Ausdehnung  (ca.  80  bis  100  m 2 ).  Dies  wird durch die starke Kammerung des Lungengewebes in den Alveolen erreicht.[…]

Dauerbeschallung mit periodischem Lärm: Brustdruck, Atemnot, Fluchtgedanken, Ängste, Dauerstress –  wie oft hyperventilieren Schallopfer von WEA?
JR

2.2.6  Hyperventilation

Abb. 2.9 - Hyperventilation - Verhütung - Behandlung - Ursachen - Symptome
Abb. 2.9 – Hyperventilation – Verhütung – Behandlung – Ursachen – Symptome


[…] Die Gefahr bei Hyperventilation liegt in der unerwünschten Senkung des CO2-Teildrucks im Blut. Die Senkung des CO2-Teildrucks führt zu einer Verschiebung des pH-Wertes zur alkalischen Seite (respiratorische Alkalose). Neben einer Engstellung der hirnversorgenden Gefäße verändert sich das O2-Bindungsverhalten des Hämoglobins (vgl. Abb. 2.11). Dieses hält den Sauerstoff im alkalischen Bereich länger fest, so dass die Zelle trotz unverändert hohem O2-Angebot minderversorgt wird. Deshalb ist hier auch keine Cyanose erkennbar! Erhöhte neuromuskuläre Erregbarkeit (Zittern, Muskelkrämpfe) bis zur Hyperventilationstetanie sind ebenso die Folge wie eine durch die gleichzeitige Engstellung der Hirngefäße im Extremfall einsetzende Bewusstlosigkeit. […]

2.3  Der Blutkreislauf

2.3.1  Aufgaben des Blutkreislaufs

Wie unter 2.1.6. bereits ausgeführt, erfüllen Blut und Blutkreislauf viele Transport- und Versorgungsfunktionen. Dazu gehören die Versorgung aller Organe/Körperzellen mit Sauerstoff und  Nährstoffen  sowie  der  Abtransport  bei  den  Verbrennungsvorgängen  anfallender  Stoffwechselendprodukte zur Ausscheidung aus dem Körper (über Lunge, Niere etc.).

2.3.3  Das Hämoglobin

Zu einer Linksverschiebung der Kurve (= erhöhte O2-Bindungsfähigkeit) kommt es bei

  • Abfall des CO2-Spiegels im Blut
  • Anstieg des pH-Wertes zur alkalischen Seite (bis pH 7,6)
  • Abfall der Körpertemperatur (Unterkühlung)

Bei normaler Atmung ist die Veränderung des pH-Wertes für den O2-Austausch und die CO2-Abgabe von unterstützender Wirkung: Im CO2-reichen, sauren Milieu wird die O2-Abgabe von HbO2  an die Zelle erleichtert.  Durch das Abatmen des CO2  über die Lunge wird ein alkalisches Milieu erzeugt, welches die Anlagerung des O2  an das Hb  erleichtert  (BOHR-Effekt).
Wird  durch  eine  unphysiologische  Hyperventilation  auch  im  Zellbereich  der  pH-Wert alkalisch, wird die O2-Abgabe an die Zelle bzw. das Erfolgsorgan erschwert.

 3  SAUERSTOFFMANGEL (HYPOXIE) – Unterversorgung der Körperzellen mit O2

Siehe auch Seite 57 bis 59

3.6  Symptomatik der O2-Mangelkrankheit

Die Anzeichen einer (hypoxischen) Hypoxie können sehr variabel sein. Der Zeitabstand vom ursächlichen Beginn (Abfall des O2-Teildruckes in der Atemluft) bis zum Auftreten erster O2-Mangelerscheinungen,  Reihenfolge  und  Schweregrade  der  Symptomatik  hängen  von  folgenden Faktoren ab:

  • Ausmaß und Schnelligkeit des O 2 -Partialdruckabfalles in der Atemluft
  • Zeitdauer der Exposition.

Wir unterscheiden zwischen subjektiven und objektiven Symptomen (vgl. Abb. 3.6).

Subjektive Symptome

  • Angst, Beklemmung
  • Wärme-, Hitze-, Kältegefühl oder Kribbeln in einzelnen Körperpartien oder im ganzen Körper
  • Druck im Kopf, hinter den Augen, in Brust oder Bauch
  • Müdigkeit, Schläfrigkeit, Benommenheit, Schwindel, Schweißausbruch
  • Dunkelwerden und/oder Einschränkung des Gesichtsfeldes, Flimmern vor den Augen, unscharfes Sehen, Verlust des Farbsehen

Typisch ist, dass bei Fortbestehen der Ursachen die vorgenannten Symptome wieder verschwinden können bzw. nicht mehr wahrgenommen werden. Es kann sich sogar ein Gefühl des Wohlbefindens, ja eine Euphorie einstellen.
 
Objektive Symptome

  • Beschleunigung der Atem- und Pulsfrequenz
  • Cyanose (zunächst peripher, Blauverfärbung der Akren)
  • gestörtes Auffassungsvermögen, verminderte Kritikfähigkeit, herabgesetzte Urteilsfähigkeit
  • Koordinationsstörungen bis zu Krämpfen
  • Bewusstlosigkeit

Gewöhnlich treten mehrere der hier aufgelisteten Symptome bei einem Individium auf

Entsprechende Auswirkungen von Hypoxien werden von Betroffenen im Umfeld von WEA beschrieben z.B. mit Verlust der Merkfähigkeit, Einschränkungen des Kurzzeitgedächtnisses, Konzentrationsfähigkeit, Augenflimmern/Sehstörungen, Leistungsabfall, Kopfschmerzen, Schwindel, Embolien und Thrombosen, Krämpfe etc.
Wirkt sich Sauerstoffmangel auf unseren Körper auch bei periodisch getaktetem Schall aus?
Liegt es am “Periodischen Schall”, dass bei Schallerkrankten an WEA viele Symptome nur verschwinden, wenn sie sich über eine gewisse Zeitspanne von der Ursache der Symptome – hier vom Schallemittenten WEA weit entfernen?
Welche Chance hat der Körper, die Blutwerte bei andauernden Luftdruckschwankungen im Gleichgewicht zu halten?
Wieviel Zeit benötigt der Körper, um sich z.B. in windstillen Zeiten zu erholen?
Welche Langzeitschäden tragen wir ab welcher Expositionsdauer davon?

Als 23 Jahre lang Betroffene und Erkrankte haben wir wie viele Mitbetroffene dazu Erfahrungen gesammelt.
Was kann die Medizin in Anbetracht der Blutwerte und der beobachteten Symptome dazu bestätigen?
JR

5  AUSWIRKUNGEN VON LUFTDRUCKÄNDERUNGEN

Die  Veränderung  des  Umgebungsdrucks  beeinflusst  den  Menschen  auf  vielfältige  Weise. Beim Ab- und Auftauchen im Wasser sind die Druckdifferenzen des umgebenden Mediums  besonders groß: Sie liegen für den Taucher etwa im Bereich von 1013 hPa (1 bar, Meereshöhe) bis zu 5065 hPa (5 bar, 40 m Wassertiefe) und darüber.
Beim  Auf-  und  Abstieg  innerhalb  der  Luftatmosphäre  beträgt  die  maximale  Druckdifferenz zwischen Meereshöhe und Weltraum zwar nur 1013 hPa, die Auswirkungen sind aber nicht minder schwerwiegend.
Hier sollen nur jene Auswirkungen beschrieben werden, die der Mensch bei wechselndem Luftdruck entsprechend den Gasgesetzen nach BOYLE-MARIOTTE und HENRY (vgl. Kap. 1) erfährt.

Unter 5.1 bis 5.1.5 werden Magen-Darmtrakt  und  Atmungstrakt  behandelt.
Gesundheitsprobleme in beiden werden in den Erfahrungsberichten Betroffener, sowohl in Deutschland als auch weltweit, sehr häufig genannt.
5.1.2  Nasennebenhöhlen
5.1.3  Die Zähne
5.1.4  Magen-Darm-Trakt
5.1.5  Lunge

Lesen Sie zu den möglichen Problemen im Flugbetrieb und konfrontieren Sie Ihre behandelnden Ärzte mit Ihren Fragen dazu!

z.B. 5.1.1  Mittelohr

Bei raschen Druckänderungen (Tauchen, Fliegen) kommt es selbst bei einer nicht entzündlich veränderten E R. (Eustachische Röhre) bisweilen  –  vor  allem  bei  einer  Druckzunahme  (Abtauchen, Sinkflug) – zu einem mangelhaften Druckausgleich. Durch ihre Schlauchform wirkt die E.R. als „Einwegventil”, die Entlüftung des Mittelohrs (beim Aufstieg) erfolgt somit leichter als die Belüftung  (Abstieg).  Die  resultierende  Druckdifferenz  zwischen  Außenwelt  und  Mittelohr drückt  das  Trommelfell  schmerzhaft  nach  innen  (vgl.  Abb.  5.3).  Erkältungen  mit  banalem Schnupfen führen zu erheblichen Einschränkungen der Be- und Entlüftung des Mittelohrs, da sie mit einer serösen oder eitrigen Verklebung der E. R. und somit mit einem völligen Verschluss einhergehen kann (Tubenkatarrh).
Ist die Tubendurchgängigkeit dadurch behindert, kommt es vor allem beim Abstieg zum gefürchteten Earblock, einer Form des Barotraumas.
Das Trommelfell wird schmerzhaft nach innen gedrückt, das Hörvermögen wird in den oberen  Frequenzen  durch  die  Vorspannung  erheblich  beeinträchtigt;  es  kommt  zu  einem  zunächst serösen, dann blutigen Erguss hinter dem Trommelfell (Hämatotympanon); dies führt zu einer entzündlichen Veränderung des Trommelfells und des Mittelohrs (Barotitis media). In Ausnahmefällen kann es auch zu einem Trommelfelleinriss kommen.

Siehe auch Kapitel 12   HNO-LÄRM

5.2  Auswirkungen nach dem Gasgesetz von HENRY

Der Abfall des Luftdruckes, der den Menschen umgibt, hat unter bestimmten Umständen aber noch eine andere Folge, die nach dem Gasgesetz von HENRY (vgl. auch Kapitel 1 ) er-klärt werden kann:

5.2.1  Die Druckfallkrankheit

Die  Druckfallkrankheit  wird  auch  als  Dekompressions-Krankheit  oder  „Decompression Sickness“ (DCS) bezeichnet ...
Dysbarismus ist der allgemeine Ausdruck für Erkrankung durch „falschen Luftdruck”. Einerseits steht er für die Druckfallkrankheit, andererseits für alle Erscheinungen, die mit dem Abfall des Luftdrucks verbunden  sind.  Wegen  seiner  unklaren  Definition  und  wechselnden  Verwendungen  stiftet  dieser Begriff nur Verwirrung, ist veraltet und soll daher vermieden werden.
Aeroembolismus (Gasblasen in Blutgefäßen) und Aeroemphysem (Gasblasen im Gewebe) können Folgen eines starken Druckabfalls sein, werden aber fälschlich mit der Druckfallkrankheit selbst gleichgesetzt. Als Caissonkrankheit wird die Druckfallkrankheit unter einer speziellen Arbeitsbedingung bezeichnet.

Die ersten Dekompressionserscheinungen bemerkte man Mitte des 19. Jahrhunderts bei Caissonarbeitern (Caisson, franz. = Kasten). So wurden die Senkkästen genannt, die man zu Erdarbeiten auf dem Meeresgrunde einsetzte. Diese Kästen, nach unten hin offen, wurden so unter Überdruck gehalten, dass kein Wasser von unten her eindringen  und  man  im  Trockenen  arbeiten  konnte.  Nach  dem  Verlassen  des  Caisson  klagten  Arbeiter  immer wieder über Krankheitserscheinungen, vornehmlich über Gelenkbeschwerden.
Auch heute noch werden Tiefbaustellen (z.B. im U-Bahn-, Tunnelbau) in einem Luftüberdruck gehalten, um das Eindringen von Grundwasser zu verhindern.
Der französische Physiologe Paul Bert hatte 1878 in seinem Buch „La pression barométrique” die Ursachen der Erkrankung bereits klar als Auswirkung des im Körper gelösten Stickstoffs erkannt. Erst 1908 wurden die Verhütungsmöglichkeiten von Sir John Haldane erarbeitet und in seinem Buch „Respiration” veröffentlicht.

Dekompressionserscheinungen können bei Tauchern wie auch bei Luftfahrzeugbesatzungen auftreten.  Um  die  Gemeinsamkeit  der  beiden  Erscheinungsformen  herauszustellen,  wurde im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung „Druckfallkrankheit” eingeführt.

Entstehung

Nach dem Gasgesetz von HENRY lösen sich  Gase  in  Flüssigkeiten  proportional zum  über  der  Flüssigkeit  herrschenden Druck (vgl. Abb. 5.7).
Auch die Lösung der Inertgase (Stickstoff und Edelgase) im Körper ist eine lineare Funktion  des  jeweiligen  Partialdrucks.
Sie  hängt  weiterhin  ab  von  den  spezifischen  Absorptionskoeffizienten  der  Organe: Gewebe mit fettartigen Substanzen (Fett-  und  Nervengewebe)  speichern Stickstoff besonders gut. Erfolgt nun eine langsame  Drucksenkung,  so  kann  das freiwerdende  Gas  über  Blut  und  Lunge abdiffundieren.  Bei  einem  Drucksturz (Rapide Dekompression) sind die Körperflüssigkeiten jedoch plötzlich übersättigt, die Gase werden frei und perlen aus. In den Zellen, in den Zellzwischenräumen und in den Kapillaren bilden sich Blasen. Je nach Größe, Anzahl und Lage der Blasen kommt es zu Durchblutungsstörungen, Schmerzen und Zellschädigungen. Die Existenz dieser Gasblasen ist in den letzten Jahren in zahlreichen Untersuchungen an Mensch und Tier u.a. mit Hilfe der Ultraschall-Doppler-Sonographie nachgewiesen worden. Mit dieser Methode können Bläschen ab einer Größe von 40 bis 50 Mikrometer akustisch „hörbar” gemacht werden, wenn sie sich in den Gefäßen bewegen.

Abb. 5.8: Bläschenbildung in Blutgefäßen nach Drucksturz
Abb. 5.8: Bläschenbildung in Blutgefäßen nach Drucksturz

Die Abb. 5.8 zeigt die  nach  einem  Drucksturz  aufgetretenen  Bläschen  in  kleinen  Venen  von  Versuchstieren. Die Verlegung des Gefäßquerschnittes wird deutlich.

Abb. 5.7: Zur Lösung von Gasen aus Flüssigkeiten nach HENRY
Abb. 5.7: Zur Lösung von Gasen aus Flüssigkeiten nach HENRY

Lesen Sie die Seiten 78 bis 86!

Druckfallkrankheit – Vibroakustische Erkrankung unter modifizierten Druckverhältnissen

Tipps für Schallerkrankte

Nachdem sich unsere Hausärzte in Deutschland, zumeist Allgemeinärzte und Internisten, trotz jahrzehntelanger Windkraftnutzung und zunehmender Zahl unter der Vibrationserkrankung (VAD) und am Windrotorsyndrom (WTS) leidender Menschen, nicht  mit diesen Krankheiten auskennen, bzw. auch nur wenig oder gar kein Interesse zeigen, sich mit diesen auseinanderzusetzen und die Mediziner in Gesundheits- und Landesämtern mit Desavouierung und Zynismus auf Beschwerden reagieren, sollten wir andere Wege gehen.

Konsultieren Sie Ärzte mit der Zusatzqualifikation “Tauch- oder Flugmedizin”.
Verweisen Sie auf die o.g. Erkrankungen und schildern Sie Ihre Symptome, die auf vielfältige Weise mit VAD- und WTS-Symptomen übereinstimmen, obwohl sich die Art der Druckschwankungen unterscheidet.

Es ist zu hoffen, dass wir bei fachkundigen Ärzten Verständnis und möglicherweise auch Hilfe finden und dass es zu konkreten Diagnosen kommt, die uns nicht nur mental, sondern auch praktisch stützen, z.B. bei den Beschwerden zu Schallbelastungen gegenüber Landesbediensteten der Genehmigungsbehörden, bei Gesundheitsämtern und bei Klagen vor Gericht.
JR

Unterstreichend: Seite 164 bis 174

Kapitel 11 Vibrationen

Im täglichen Leben wirken Schwingungen beinahe ständig auf den Menschen ein. Dies ist ganz  besonders  am  Arbeitsplatz  der  Fall,  wo  die  Belastung  des  Körpers  je  nach  Arbeitsumgebung  und  Tätigkeit  unterschiedlich  hoch  sein  kann.  Starke Schwingungen treten vorwiegend in Fahrzeugen (Ganzkörper-Schwingungen) und an handgeführten Arbeitsgeräten (Hand-Arm-Schwingungen) auf. Aus flugmedizinischer Sicht verdienen besondere Aufmerksamkeit Ganzkörper-Schwingungen in Luftfahrzeugen, die über Sitze und Cockpitstruktur auf den  Körper  des  Piloten  übertragen  werden,  Hand-Arm-Schwingungen,  die  über  Steuerorgane  in  seine Hände eingeleitet werden und Schwingungen der Cockpitstruktur, die das sichere und genaue Ablesen von Anzeigegeräten erschweren.
Vibrationen  oder  Schwingungen  werden  definiert  als  reversible  Formänderungen  in  festen (elastischen) Körpern, als Dichte- bzw. Druckänderungen in Gasen oder Flüssigkeiten.  Diese  Form-  bzw.  Druckänderungen  können  regelmäßig  (periodisch)  oder  zufällig (stochastisch) sein.
Sie können im Bereich tiefster Frequenzen (< 1 Hz) bis zu höchsten Frequenzen auftreten. Der für die Auswirkungen auf den menschlichen Körper wichtigste Frequenz-Bereich liegt bei

0,1 Hz bis 100 Hz

Mechanische  Schwingungen  können  über  feste  Körperoberflächen  (z.B.  Sitz,  Handgriff  im Cockpit)  oder  über  ein  umgebendes  Medium  (Luft,  Wasser)  in  den  menschlichen  Körper eingeleitet werden. Dabei können sie, je nach Art und Einleitungsstelle, Teile des Körpers oder auch den ganzen Körper erregen. Für die Beurteilung der Wirkung von Schwingungen auf den Menschen ist zu unterscheiden, ob die Schwingungen translatorisch oder rotatorisch sind,  an  welcher  Stelle  sie  in  den  Körper  eingeleitet  werden  und  in  welcher  Richtung  sie einwirken. 

11.1
11.1.1
Physikalische Grundlagen 
In  Abbildung  11.1  sind  die  Koordinatenachsen  der  in  verschiedener  Weise  auf  den Menschen  einwirkenden  Schwingungen  dargestellt. 
Tabelle  11.1  zeigt  eine  Übersicht  der schwingungsphysikalischen Begriffe.
 

Schwingungsmechanik 
Zur  Beurteilung  der  mechanischen  Schwingungsfortpflanzung  im  Körper  kann  man  sich vereinfacht  den  Menschen  als  gedämpftes  Feder-Masse-System  vorstellen,  in  das  an bestimmten Stellen Schwingungen eingeleitet werden (Abb. 11.2). Ein Feder-Masse-System weist  für  jede  Einzelmasse  und  für  zusammengehörige,  aus  mehreren  Einzelmassen bestehende Untersysteme Resonanzfrequenzen auf, bei denen in dem entsprechenden Teil
verstärkte Schwingungsamplituden auftreten. 


 

Schwingungsmechanik 
Zur  Beurteilung  der  mechanischen  Schwingungsfortpflanzung  im  Körper  kann  man  sich vereinfacht  den  Menschen  als  gedämpftes  Feder-Masse-System  vorstellen,  in  das  an bestimmten Stellen Schwingungen eingeleitet werden (Abb. 11.2). Ein Feder-Masse-System weist  für  jede  Einzelmasse  und  für  zusammengehörige,  aus  mehreren  Einzelmassen bestehende Untersysteme Resonanzfrequenzen auf, bei denen in dem entsprechenden Teil
verstärkte Schwingungsamplituden auftreten. 

Abbildung  11.2  und  Tabelle  11.2  enthalten  eine  Aufstellung  von  Resonanzfrequenzen verschiedener  Körperteile  in  Abhängigkeit  von  Schwingungseinleitung  und  Schwingungsrichtung. 
Abb. 11.2: Resonanzfrequenzen verschiedener Körperteile

Tabelle 11.2 Resonanzfrequenzen verschiedener Körperteile (Seite 167 + 168)

11.4  Schwingstärke K  (S. 169)

Schwingungen  verschiedener  Frequenzen  und  unterschiedlicher  Richtung  werden  vom Menschen verschieden stark wahrgenommen. Am empfindlichsten reagiert der Mensch bei Frequenzen  zwischen  4  Hz  und  8  Hz,  dem  Resonanzbereich  des  Rumpfes  und  der Eingeweide. 
Schwingungen,  deren  Schwingstärke  über  den  Frequenzbereich  von  1  Hz  bis  80  Hz  vom Menschen  als  gleich  stark  empfunden  werden,  wird  ein  bestimmter  Wahrnehmungsgrad zugeordnet, die „Bewertete Schwingstärke K“.


Der  Wert  der  maximal  zulässigen  Schwingstärke  K  einer  vibrierenden  Einrichtung  oder Umgebung  richtet  sich  nach  der  Dauer  der  ununterbrochenen,  täglichen  Einwirkung  und nach dem zugrundegelegten Kriterium für eine Begrenzung der Schwingungen. 
Im allgemeinen finden 3 Grenzkurven Anwendung (nach VDI 2057/ISO 2631):
 
  1. Beeinflussung des Wohlbefindens 
  2. Verringerung der Leistungsfähigkeit 
  3. Beeinträchtigung der Gesundheit und Sicherheit


@ DIN-Kommission, Landesämter, Genehmigungsbehörden und Gesundheitsämter
In Bezug und unter Hinweis auf ‘Kapitel 11 – Vibrationen‘ ist die Frage an o.g. Adressaten zu stellen:

Aufgrund welcher Basis ist beabsichtigt, an der Praxis der Mißachtung des periodischen Lärms im, für den menschlichen Körper wichtigsten, Frequenz-Bereich ab 0,1 Hz festzuhalten und bei der Überarbeitung der Normen statt dessen, wider besseres Wissen, die Berücksichtigung der Frequenz im Infraschallbereich bei 10 Hz beibehalten zu wollen?

Hierzu sei der Hinweis auf die ebenfalls unzulängliche Überarbeitung der LAI in ihren “Hinweisen zum Schallimmissionsschutz bei Windkraftanlagen (WKA)”  erlaubt, die zur Prognose der Vorbelastung ein Referenzspektrum ab 63 Hz als Grundlage für die Eingangsdaten der Prognose heranziehen, d.h. ohne den Infraschall auch nur annähernd zu berücksichtigen!

Im Zuge der Überarbeitung der Normen wurde uns in 2015 als Antwort auf unsere Stellungnahmen immerhin die Berücksichtigung der tiefen Frequenz von 1 Hz (statt der geforderten 0,1 Hz) avisiert. Auf Druck der Überzahl an Lobbyisten in der Kommission, wurde die Berücksichtigung auf 8 Hz erhöht und heute ist die alte Untergrenze von 10 Hz wieder im Gespräch. All das mit zustimmender Unterstützung der in der Kommission zahlreich vertretenen Landesämter, deren Vertreter nach unserem Verständnis dort den Schutzauftrag des Staates gegenüber der Bevölkerung durchsetzen sollten, anstatt die wirtschaftlichen Interessen der Schall emittierenden Industrie.

In Anbetracht der Tatsache, dass Anwohner inmitten einer vibrierenden Umgebung Schall emittierender technischer Anlagen wie WEA, Pumpen, Heizkraftwerken etc., über sehr lange Zeiträume, wenn nicht dauerhaft einer ununterbrochenen, täglichen  Einwirkung der Schallimmissionen ausgesetzt sind, muss die Frage gestellt werden, warum die 3 Grenzkurven nach VDI 2057/ISO 2631 (oder eine ähnliche Schutznorm)

  1. Beeinflussung des Wohlbefindens
  2. Verringerung der Leistungsfähigkeit
  3. Beeinträchtigung der Gesundheit und Sicherheit

für sie nicht gelten?

Es ist nicht nachvollziehbar, dass Menschen nur an ihrem Arbeitsplatz im Bereich der Luftfahrt vor Schwingungen schutzwürdig sind, nicht aber in ihren Wohnungen, in denen sie sich oft bis zu 24 Stunden täglich aufhalten und dann den Einwirkungen von Vibrationen und Schwingungen permanent ausgesetzt sind.
JR

16  BELASTUNG, BEANSPRUCHUNG, STRESS, STRESSOREN

16.3  Allgemeines Anpassungssyndrom
Als Student der Medizin beobachtete Hans Selye bei Patienten mit unterschiedlichen Krankheiten ein stereotyp auftretendes Symptombild, das er als „Syndrome of just being sick“ beschrieb.  Später  wurde  dieses  Phänomen  als  „General  Adaptation  Syndrome  (GAS)“  beschrieben.
Demnach läuft die Stressreaktion immer in drei Stufen ab:

  • Stufe 1: In der Alarmphase (Alarm Stage) mobilisiert der Organismus seine Reserven („call to arms“), um sich gegen den Stressor zu verteidigen.
  • Stufe 2: In der Widerstandsphase (Stage of Resistance) versucht der Körper, sich an die Belastungen anzupassen und sein Gleichgewicht (Homöostase) wiederzufinden.
  • Stufe 3: Bei exzessiver oder länger andauernder Belastung brechen die Bewältigungsmechanismen des Körpers zusammen und es kommt zur Erschöpfung (Exhaustion Stage), im Extremfall sogar zum Tod.

16.4  Stressoren

Stressoren können physikalischer (Temperatur, Lärm, Vibrationen, mechanische Einwirkungen  etc.)  bzw.  physiologischer  (Einwirkung  von  biochemischen  Substanzen)  Natur  sein.
Daneben gibt es „psychosoziale Stressoren“. Sie bewirken im Gegensatz zu den oben erwähnten  Stressoren  nicht direkt eine Stressreaktion. Vielmehr liegt es an der individuellen
Bewertung durch den Menschen, welcher Reiz für ihn zum Stressor wird.
[…]

Informieren Sie sich und nutzen Sie Ihr Wissen!

„Kompendium der Flugmedizin“ von 2002

stellt  sich  eine  deutsche  Publikation  unseres  Fachgebietes  vor,  welches  –  wie  kein  anderes  –  durch interdisziplinäre  An-  und  Herausforderungen  und entsprechendes Denken und Handeln geprägt ist.
Die  Flugmedizin  verbindet  zahlreiche  präventive, diagnostische  und  therapeutische  Teilgebiete  zu einem Gebiet, der Luft- und Raumfahrtmedizin, die ihren  Anspruch  aus  den  psychophysischen Einwirkungen  auf  den  menschlichen  Körper  im dreidimensionalen  Raum  ableitet.  Begriffe,  wie flugmedizinische  Begutachtung,  Flugphysiologie, Flugunfallmedizin,  Lufttransport  Verwunderter  und Kranker,  Human  Factor,  werden  der  heutigen Bedeutung  der  Luft-  und  Raumfahrtmedizin  jedoch längst nicht mehr gerecht. Alle klinischen Fächer, einschließlich  der  Physiologie,  haben  ihren  Anteil  im Verständnis  des  komplexen  Fachgebietes  Luft-  und Raumfahrtmedizin.  Zeitkritisches  Erkennen, Entscheiden  und  folgerichtiges  Handeln  prägen  das Bild  des  Flugmediziners.  Als  „Generalist“  mit speziellen Fähigkeiten deckt er die flugmedizinischen Kernforderungen  aller  Fachgebiete  gleichmäßig  ab.
Darüber  hinaus  wachsen  an  ihn  die  unterschiedlichsten  Anforderungen,  die  die  Luft-  und Raumfahrt an einen Flugmediziner stellt. Hierzu gehört auch notfallmedizinsche Kompetenz.

Lesenswert ist auch Kapitel 12 “HNO-Lärm”

Zu den Auswirkungen von Schall aufs menschliche Ohr gibt es seit langem sehr viele internationale Studien. Die wissenschaftliche Sammlung der Flugmedizin dazu stellt eine gute Ergänzung und Bestätigung dar.

Die HNO – fliegerärztliche Untersuchung gehört mit zu den anfänglichen Flugtauglichkeitsuntersuchungen. Die ersten Piloten berichteten über Ohrendruck und Schmerzen, deren Ursache der Einfluss der sich ändernden atmosphärischen Bedingungen war. Die militärischen Einsätze führten zu einer Häufung von Erkrankungen wie der chronischen Sinusitis und der Otitis media mit Abszessbildung, so dass von einer berufsbedingten Häufung dieser Erkrankungen gesprochen werden kann. Die Folge waren operationsbedingte Neuralgien des Nervus Trigeminus nach Nasennebenhöhlenrevisionen, chronische Otitiden und die Notwendigkeit zur Mastoidrevison mit der Komplikation wie Schallleitungsschwerhörigkeit und Schallempfindungsstörungen.
[…]

Persönlicher Erfahrungsbericht

Ähnliches habe ich, neben Schlafstörungen, als erste Symptome, neben Schlafstörungen, nach der Inbetriebnahme (1995) von 3 WEA in direkter Nachbarschaft erlebt: Ohrenschmerzen, Ohrdruck, Gefühl von Watte im Kopf, Höreinschränkung. Keine Entzündungszeichen im Blut, eineinhalbjährige Behandlung des Barotraumas durch den Hausarzt mit Politzer Ballon zum Druckausgleich insbesondere des linken Ohrs.
Nachdem sich die Probleme besserten etablierte sich ein Tinnitus in beiden Ohren, links stärker als rechts. Einige Jahre und Dutzende WEA in der Umgebung später waren es bereits vier verschiedene Tinnitustöne und das Hörvermögen war erheblich eingeschränkt, ebenso die berufliche Laufbahn, die ein sehr gutes Gehör erforderte.
Ab 2013 die ersten Hörstürze, 2014 nach dem vierten Hörsturz dann der komplette Verlust des Hörvermögens im linken Ohr mit verbliebenem andauernden  Restrauschen, im rechten Überempfindlichkeit durch Hyperakusis mit wechselnden Tinnitustönen.
Parallelen zur Studie zur toxischen Wirkung von Infraschall, in der bei Tierversuchen unter Infraschall-Beschallung entsprechende Erfahrungen gemacht wurden und die Blutwerte der Versuchstiere die gleichen extrem hohen AP-Werte aufwiesen, wie seit 1996 bei mir. – Siehe auch Kompendium Kapitel 5.1.1
JR

 

12.2  Physikalische Messung und physiologische Beurteilung der auralen und extraauralen Wirkung von Schallwellen auf den menschlichen Körper
Lärm ist physikalisch – technisch nicht definiert, wie dies bei den Begriffen Ton, Klang, Geräusch oder Knall der Fall ist, und wie sie nachfolgend verwendet werden.

12.2.1 Definition:
Schall im eigentlich physiologisch-physikalischen Sinn bezeichnet eine periodische Dichte-, Druck- bzw. Formveränderung der Luft, von Flüssigkeiten und festen oder elastischen Körpern,  die  direkt  oder  indirekt  (Körperschall)  auf  das  menschliche  Gehörorgan  übertragen werden, und innerhalb bestimmter Grenzen und ohne Rücksicht auf die Art  ihrer Erzeugung wahrgenommen werden. Sehr tiefe Frequenzen werden dabei durch die Resonanz der Haut-
und  Organdrucksensoren  wahrgenommen.  Außerhalb  des  menschlichen  Fühl-  und  Hörbereiches liegt der Infraschall unterhalb und der Ultraschall oberhalb der menschlichen Wahrnehmung.

Für die Beschreibung des Schalles sind folgende Parameter von Bedeutung:

Die Amplitude ist der Weg um den die Teilchen ausgelenkt werden. Die Frequenz ist der Abstand  zwischen  zwei  Maxima  oder  Minima  der  Auslenkungswelle  in  Abhängigkeit  von  der Anzahl der Auslenkungen pro Sekunde.
Die Schalldauer beschreibt den Entwicklungszeitraum eines Schallereignisses. Der Schalldruck ist der Druck, mit dem die Teilchen hin und her bewegt werden.

Beurteilung einer Schallquelle:
Zur Beurteilung einer Schallquelle dient die Messung des Schalldruckes. Bei einem Schallpegelmesser  dient  das  Mikrophon als Empfänger mit der Aufgabe die einfallenden Schalldrücke in eine elektrische Wechselspannung umzuwandeln und zur Anzeige zu bringen.

Tabelle Seite 192

Dabei ist neben  dem  hörschädigenden  Lärm  auch  ein  Frequenz-  und  Lautheitsspektrum  zu  beachten, welches Wechselwirkungen auf die Innenohrhaarzellen sowie die Druck- und Fühlsensoren unseres Körpers ausübt. Die Beeinflussung menschlicher Organe, Organsysteme und
physiologischer Funktionen betreffen den Resonanzbereich des Körpers.
Die Mittelwerte liegen im  Infraschallbereich,  aber  Fühlbereich  für  Ganzkörpervibrationen  –
4  Hz  Thorako-Abdominalbereich – 5 Hz und die Wirbelsäule – 12 Hz im unteren Hörbereich für den Kopf mit
– 20 Hz für das isolierte Auge – 30 Hz und den Brustkorb – 60 Hz (Dupuis 1984).

Schallereignisse und Vibrationen führen bei:
 
1 – 3 Hz zu Atemnot  4 – 10 Hz zu erschwerter Atmung
4 – 9 Hz zu allgemeinem Unwohlsein  4 – 12 Hz zu Rückenschmerzen
13 – 20 Hz zu Muskelverspannungen, Kopfschmerzen und Sprachbeeinflussung

In diesem Sinne haben sich die Autoren bemüht, eine Publikation unter Berücksichtigung aller relevanten flugmedizinischen, flugphysiologischen und organisatorischen Gesichtspunkte zu  erarbeiten,  in  dem  der  interdisziplinäre  Charakter  der  Luft-  und  Raumfahrtmedizin  klar zum Ausdruck kommt.
Wir hoffen, den Ansprüchen auf praxisrelevante und wissenschaftlich orientierte Information gerecht zu werden und allen Kollegen in der Luft- und Raumfahrtmedizin motivierendes Engagement für ihre verantwortungsvolle Arbeit zu vermitteln.

Dr. Erich Rödig
Generalarzt


Die aktuelle Überarbeitung des Kompendiums von 2017 als Download

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